ERNÄHRUNG – GENE – STRESS

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Umwelt, Lifestyle  und Ernährungsfaktoren stärker als gedacht unsere Gesundheit beeinflussen und sogar epigenetisch vererbt werden können. Im Gegensatz zur „klassischen„ genetischen Vererbung kommt es bei der epigenetischen Vererbung zu keiner Änderung der Gensequenz, und gesundheitsrelevante Konsequenzen aus Umwelt oder Ernährung können auf die Nachkommen weitergegeben werden.

Genau wie der Dirigent eines Orchesters die Dynamik einer symphonischen Darbietung steuert, bestimmen epigenetische Faktoren die Auslegung der DNA innerhalb jeder einzelnen lebenden Zelle. Erste Forschungsergebnisse einer neuen Wissenschaft – der Epigenetik zeigen, dass Stress und Ernährung zum einen darüber entscheiden ob Gene geschädigt oder geschützt bzw. repariert werden zum anderen ob Gene in der richtigen Art und Weise gelesen bzw. Aktiviert oder abgeschaltet werden.

Eine der wichtigsten epigenetischen Faktoren der Ernährung sind Methylgruppen welche u.a. benötigt werden um die üblicherweise ausgeschalteten Gene zu kennzeichnen. Um die korrekten Methylierungsmuster durch die Zellteilung hindurch getreu aufrecht zu erhalten, müssen neue Methylgruppen an frisch kopierte DNA angehängt werden. Hierfür ist eine ständige Bereitstellung von neuen Methylgruppen erforderlich, die direkt aus unserer Nahrung aufgenommen werden können. Zu diesen Methylgruppenlieferanten gehören Methionin bzw. S-Adenosylmethionin (SAMe), Betain und Cholin. Des weiteren können wir Methylgruppen aus Vorstufen, wie zum Beispiel Folsäure, herstellen. Andere, aus der Nahrung stammende Stoffe sind nötig, um die Methylgruppen im Körper zu transportieren und sie sicher an der DNA anzubringen. Beispiele hierfür sind Vitamin B-12 und das Spurenelement Zink. Mängel an diesen essentiellen Vitalstoffen können Auswirkungen auf den DNA- Methylierungsgrad im Körper haben, wie Studien an Nagetieren und Menschen gezeigt haben.

Erhöhte Spiegel des Stresshormons Cortisol (z.B. durch chronische Einsamkeit, Kohlenhydratmast, Schlafmangel und Übertraining) schädigen nicht nur Muskeln, Nerven, Knochen, Immunsystem und Bindegewebe. Steve Cole , Arzt und Wissenschaftler an der David Geffen School of Medicine und seine Mitarbeiter konnten nachweisen, das das subjektive Gefühl der Einsamkeit und die hiermit in Verbindung stehende Erhöhung des Cortisolspiegels Veränderungen der Genaktivität der Immunzellen (hier hauptsächlich die weißen Blutkörperchen) bewirken. Niederländische Forscher um Dorret Boomsma von der Universität Amsterdam fanden heraus, das diese in 47 % der Fälle auch vererbt werden können.

Psychischer Stress und Reizüberflutung werden vom Gehirn in biologische Signale umgewandelt, z.B. dadurch, dass erregende Nervenbotenstoffe wie Noradrenalin und Glutamat ausgeschüttet werden. Diese aktivieren wiederum bestimmte Substanzen im Körper, die man als Transkriptionsfaktoren bezeichnet. Transkriptionsfaktoren schalten die Aktivität bestimmter Gene an oder aus. So konnte die Aktivierung des wichtigen, bei vielen Genen beteiligten Transkriptionsfaktors NF-kB durch Stress von mehreren Forschergruppen nachgewiesen werden. Dies erklärt, warum emotional belastende Erlebnisse innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Gene aktivieren oder abschalten können. Die Zeit von der Aktivierung eines Gens bis zur Fertigstellung des Proteins (z.B. bestimmte Enzyme, Botenstoffe oder Zellbausteine) kann im Bereich weniger Minuten liegen. Wird in der Zelle das NF kB freigesetzt, können die Gene ihre schädliche Wirkung entfalten. NF kB besitzt eine Schlüsselstellung bei der Steuerung von Tumorgenen, die verantwortlich sind für ungebremste Zellteilung, Mikrometastasierung durch Angiogenese und Verweigerung des molekularen Selbstmordes durch die Tumorzellen (Apoptose). Des Weiteren aktiviert NFkB z.B. ein Gen welches für die Produktion des Immunbotenstoffes Interleukin 6 (IL-6) zuständig ist. Wird zu viel IL-6 erzeugt, sind Autoimmunstörungen, Entzündungen und Allergien die Folge.

Wenn wir unsere Gene optimal schützen wollen und sicherstellen möchten, dass diese auf die richtige Art und Weise aktiviert oder abgeschaltet werden, dann sollten wir versuchen, solche Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungen zu verzehren, die u.a. genügend Antioxidantien, Biotin, Vitamin D3 und Bausteine für die Methylierung im Körper bereitstellen.